Montag, 13. Juli 2026
Leben28. Juni 2026

Studium trotz Herkunft: Van Mai und Karolina Paluchs Weg

Van Mai und Karolina Paluch teilen ihre Erfahrungen, wie sie aus einer Arbeiterfamilie stammend den Schritt ins Studium gewagt haben und welche Hürden sie überwunden haben.

Von Sophie Richter28. Juni 2026, 10:404 Min Lesezeit

DRESDEN, 28. Juni 2026Eigener Bericht

In einer Welt, in der Bildung oft als Schlüssel zum Erfolg betrachtet wird, stehen viele junge Menschen vor enormen Hürden, insbesondere wenn sie aus Arbeiterfamilien stammen. Van Mai und Karolina Paluch sind zwei solcher Stimmen, die über ihren Weg zum Studium berichten. Menschen, die sich mit der Thematik näher auskennen, blicken oft skeptisch auf die realistischen Möglichkeiten, die jungen Erwachsenen aus sozial schwächeren Verhältnissen zur Verfügung stehen. Wie schaffen es diese jungen Menschen, trotz finanzieller Einschränkungen und gesellschaftlicher Vorurteile den Schritt in die akademische Welt zu wagen?

Van Mai erzählt von ihrem ersten Schultag in einem Gymnasium, auf dem sie sich als Außenseiterin fühlte. Ihrer Ansicht nach war eine klare Kluft zwischen den Schülern zu spüren. Die meisten ihrer Mitschüler kamen aus wohlhabenden Familien, hatten Zugang zu Nachhilfe und konnten sich teure Bücher leisten. Im Gegensatz dazu war Van Mai froh, dass ihre Eltern sie überhaupt in die Schule schicken konnten, während sie gleichzeitig damit beschäftigt waren, den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. In diesen ersten Jahren des Gymnasiums begann sie zu verstehen, dass akademischer Erfolg oft nicht nur von der eigenen Anstrengung, sondern auch von den Möglichkeiten, die einem geboten werden, abhängt.

Karolina ergänzt, dass es nicht nur die finanziellen Mittel sind, die den Zugang zur Hochschule erschweren. Die gesellschaftlichen Erwartungen spielen ebenfalls eine große Rolle. In ihren Familien wurde oft nicht über Bildung gesprochen, und viele ihrer Verwandten hatten den Fokus auf handwerkliche Berufe gelegt. Karolina selbst geriet in einen inneren Konflikt; sie wollte studieren und ihren eigenen Weg gehen, stellte sich aber gleichzeitig den Fragen: Ist das, was ich will, überhaupt in meiner Familie möglich? Menschen in ihrem Umfeld sprechen darüber, wie wichtig es ist, die Unterstützung der Familie zu haben, besonders wenn man aus einem Umfeld kommt, das traditionell wenig Wert auf akademische Bildung legt.

Ein bekanntes Phänomen ist auch die „Impostor-Syndrom“, das sowohl Van Mai als auch Karolina während ihrer Studienzeit erlebten. Sie fühlten sich oft nicht qualifiziert oder berechtigt, an der Universität zu sein. „Was mache ich hier?“, fragen sich viele Studierende aus ähnlichen Hintergründen. Die ständige Angst, als Betrüger entlarvt zu werden und das Gefühl, nicht dazu zu gehören, können lähmend wirken. Diese inneren Stimmen werden oft nicht so schnell aus dem Kopf verbannt, sie lassen sich vielmehr in Momenten der Unsicherheit oder des Zweifels immer wieder hören.

Beide berichten von ihren Erfahrungen in der Studienberatung und den Herausforderungen, die sie dort antrafen. Berater und Beraterinnen, die gut gemeinte Ratschläge erteilten, konnten oft nicht nachvollziehen, wie einschneidend die finanziellen, emotionalen und kulturellen Hürden sind. Menschen, die in der Bildungsberatung tätig sind, beschreiben häufig, dass sie in der Ausbildung nicht auf die spezifischen Bedürfnisse von Studierenden aus Arbeiterfamilien vorbereitet wurden. Daher bleibt oft unklar, wie man diesen jungen Menschen tatsächlich helfen kann, die sich in einem Umfeld bewegen, das ihnen fremd ist.

Die Unterstützung, die Van Mai und Karolina fanden, kam häufig von unerwarteten Orten. Ihre Studienfreundinnen und -freunde wurden zu einer wertvollen Quelle der Motivation und des Austauschs. Sie alle teilten Ängste, Sorgen, aber auch Träume. In diesen Gesprächen wurde deutlich, dass der Weg zum Abschluss oft nicht geradlinig verläuft und dass es wichtig ist, nicht aufzugeben, auch wenn die Hürden unüberwindbar erscheinen.

Es stellen sich Fragen zu den Systemen und Strukturen, die es Studierenden aus benachteiligten Verhältnissen ermöglichen oder verwehren, ihre Bildungsträume zu verwirklichen. Wo bleibt die Unterstützung von Hochschulen? Wie viel Raum gibt es für individuelle Geschichten? Wenn man mit den beiden ins Gespräch kommt, wird klar, dass ihre Erfahrungen nicht isoliert sind; sie spiegeln die Herausforderungen einer ganzen Generation wider. Die Frage bleibt, ob die Gesellschaft bereit ist, diese Herausforderungen ernst zu nehmen.

Van Mai und Karolina sind in ihrer Perspektive nicht optimistisch, aber auch nicht gänzlich negativ eingestellt. Sie wissen, dass der Weg zum Studium schwierig ist, betonen jedoch, dass es möglich ist. Die Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung könnte helfen, Vorurteile abzubauen und Studierenden aus Arbeiterfamilien mehr Sichtbarkeit und Würdigung zu geben. Was könnten Hochschulen unternehmen, um diesen Wandel zu unterstützen? Welche Rolle spielen Netzwerke und Mentoren in diesem Kontext? Und inwiefern können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass jeder, unabhängig von seiner Herkunft, die Chance auf eine akademische Ausbildung erhält, die oft als Schlüssel für ein besseres Leben angesehen wird?

Die Geschichten von Van Mai und Karolina sind nicht nur persönliche Erzählungen, sie sind Teil eines größeren Narrativs über Chancengleichheit, soziale Mobilität und die Bedeutung der Bildung im Leben eines Individuums. Die Fragen, die sich aus diesen Erzählungen ergeben, spiegeln die Notwendigkeit wider, in der Gesellschaft einen Raum für Dialog und Verständnis zu schaffen. Wie viel Potential bleibt ungenutzt, weil wir die Geschichten bestimmter Gruppen nicht hören oder verstehen? Und inwieweit sind wir bereit, diesen Dialog zu fördern und aktiv an Lösungen zu arbeiten?

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